Martin Elsässer und die Gustav-Adolf-Kirche in Frankfurt-Niederursel

Martin Elsässer und die Gustav-Adolf-Kirche in Frankfurt-Niederursel

Die Gustav-Adolf-Kirche ist in verschiedener Hinsicht einzigartig. Als einziger unter mehr als zwanzig Kirchenneubauten des Architekten Martin Elsaessers steht sie außerhalb von BadenWürttemberg in Frankfurt am Main. Unter den innovativen Kirchenbauten der zweiten Hälfte des Neuen Frankfurt sticht sie heraus durch die Form des Oktogons (die Martin Weber mit der Bonifatiuskapelle in Bonames zwei Jahre später aufgreift). Einzigartig ist sie aber vor allem in der Art ihrer Farbgestaltung.

Die Farbgestaltung kann einerseits die größte Neugier wecken, seit DW Dreysse eine Musterachse hat anlegen lassen, die die Farbgebung der Ursprungszeit zeigt. Andererseits macht die noch gegenwärtig sichtbare Farbgebung auch die Probleme der Nachkriegsrenovierung deutlich –und den Umfang der anstehenden Renovierungsarbeiten.

Die kleine Vorgängerkirche ist als Taufkapelle, gleich links neben dem Eingang gelegen, in den Bau integriert. Den Zentralraum bildet das Oktogon mit einem zeltförmigen Dach aus dünnem Spritzbeton, das mit Kupferplatten gedeckt ist. Der Innenraum hat an der Südseite Empore und Orgel. An der Nordseite bildet ein drei-, im Altarbereich fünfreihiges Fensterband mit gleich- formatigen, rechteckig liegenden (und ursprünglich rot gerahmten) Einzelfenstern ein bandförmiges Raster, das auf den Diagonalseiten aufgegriffen wird und mit der inneren Raumkonzeption korrespondiert. Die ursprünglichen, weißen Fenster lassen den „Himmel offen“.

Zum Januar 2016 soll mit der Renovierung der Kirche begonnen werden. Auch die pneumatische Welker- Orgel wird in die Renovierung mit einbezogen werden. Der Evangelische Regionalverband hat zwei Bauabschnitte mit einem Umfang von circa vier Millionen Euro veranschlagt. Der eigens gegründete Förderverein und die Kirchengemeinde Niederursel tun ihrerseits ihr Bestes, um ihren Anteil an der Finanzierung der Kosten zu bewältigen.

Die Gustav-Adolf-Kirche liegt in Niederursel direkt am Bonifatiusweg in der Mitte des alten Ortskerns. Sie hat in den  zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts die beiden Teile der damals neu nach Frankfurt eingemeindeten Ortsteile Niederursels verbunden und dem Ort eine neue Mitte gegeben, nachdem die kleine St.-Georgs-Kirche aus dem 15. Jahrhundert am gleichen Standort sich bei einer geplanten Renovierung als zu baufällig erwiesen hatte.

Heute liegt die Kirche eher am Ortsrand als in seiner Mitte.

Konrad Elsässer, Geschäftsführer der Martin-Elsässer-Stiftung