Der neue katholische Kirchenbau

Der neue katholische Kirchenbau

Der Frankfurter Architekt Hermann Mäckler hat in dem 1965 erschienen Buch über die Sakralbauten in Frankfurt dargelegt, wie er die Bedeutung der Architektur für die „neuen katholische Kirchenbau“ nach dem 2. Weltkrieg sieht. Wir drucken seinen Aufsatz in Auszügen ab.

 

Der neue katholische Kirchenbau hat vornehmlich zwei ausgeprägte Merkmale: die jedermann erkenntliche Einfachheit der Haltung und die oft nicht unmittelbar ersichtliche, aber doch vorhandene enge Bezogenheit auf die Liturgie…

Im geistigen Raum der Kirche findet man den Verzicht auf leer gewordene Formen und Formeln und die Besinnung auf die ursprünglichen Kräfte der Liturgie. Das Zusammentreffen der beiden Entwicklungen ist nicht nur zeitlich glückhaft, ״Neues Bauen“ und ״Liturgische Bewegung“ stehen darüber hinaus in einem ursächlichen Zusammenhang. Die Aufspaltung in Formen, die noch kurz zuvor nur dem profanen oder nur dem sakralen Bereich zugeordnet waren, geht in überraschendem Zeitmaß zu Ende…

Es ist anders und tiefer als nur in der Übereinkunft der Architekten begründet, wenn sich der Kirchenbau mit einem Male wie selbstverständlich derselben Mittel bedient, die der Profanbau anwendet…

Wenn es ( das Bauwerk) den Anspruch auf Qualität erhebt, dient jedes auf möglichst vollkommene Weise einem Zweck, das Bauwerk Kirche einem sublimsten, über den zu sprechen Worte nicht ausreichen, an den sich Routine gar nicht wagen dürfte. Die Kirche soll ein Haus für Gott sein, ein Gotteshaus. Zugleich aber soll sie einem zweiten konkreten und in der Form seit Jahrhunderten gefestigten Zweck genügen, einem Geschehen, das der Mensch handelnd vollzieht. Eine Kirche kann Gotteshaus sein, ohne für diese Handlung überhaupt Raum zu geben. Die Kirche, von der wir sprechen, aber muss der actio von Priester und Gemeinde entsprechen…

Diesem Vorgang den adäquaten Raum zu schaffen, ist der Architekt von jener innersten Kraft getrieben, die alle Schaffenden zwingt. Das Vornehmste, das ihm anvertraut werden kann, den Bau der Kirche, vermag er nicht entgegen diesem Geschehen zu formen…

Ihr Mittelpunkt ist der Altar, von altersher Symbol Christi, ihn umsteht nach einem Wort aus frühesten christlichen Tagen die Gemeinde.

Daß unsere Kirche aus neuzeitlicher Technik geformt sein soll, wobei diese nicht amorph, unklar, kaschiert, sondern in der höchst spezifischen Ausprägung ihrer Gesetzlichkeiten an- gewendet ist, sollte keiner Frage bedürfen. Heute, so wie eh und je, muß als legitim anerkannt werden, dass der Architekt mit allen ihm an die Hand gegebenen Mitteln schöpferisch wirken darf. ..

Seine Position ist bestimmt von der Erkenntnis, daß er, und niemand sonst, die Verantwortung für das bauliche Gesicht der heraufkommenden Welt auf sich nehmen muß,…

Aus: Sakralbauten in Frankfurt am Main 1965